Grußwort zur Abschiedsvorlesung

Lieber Elmar,

vor etwas mehr als 4 Jahren, d.h. vor ca. 1500 Tagen, stand ich hier an dieser Stelle und sagte Ade. Es war für mich sowohl Abschied nehmen als auch Neubeginn. Es gab nun die Chance neue Dinge anzupacken, für die vorher keine Zeit war.

Nun also, Elmar, ist es Dein Turn. Gelegenheit, nochmals zurück zu blicken auf fast 30 Jahre Bamberg, die Du etwa hälftig in den Fakultäten SOWI und WIAI verbracht hast, über viele Jahre als Dekan.

Bei Deinem Beginn in Bamberg war gerade der neue Studiengang Wirtschaftsinformatik aus der Taufe gehoben. Initiatoren des Studiengangs waren damals die Kollegen Augsburger, Diruf und Gabele, denen ich hier nochmals meinen Dank aussprechen möchte. Ohne solche Kollegen entstehen keine neuen Stellen.

Dieser Studiengang war der erste Wirtschaftsinformatik-Studiengang in Bayern und der dritte in Deutschland, also Pionierleistungen der Kollegen. 1988 verstärkte Elmar Sinz diesen Studiengang und es begann eine steile Aufwärtsentwicklung. Heute ist Bamberg ein Fixstern am Wirtschaftsinformatik-Himmel und betreibt weiterhin den größten Wirtschaftsinformatik-Studiengang in Bayern. Ein Zeichen dieser Aufwärtsentwicklung war auch die Ausrichtung der Tagung Wirtschaftsinformatik, die 2005 in Bamberg stattfand.

Ich selbst stieß 1992 zu dieser Gruppe und versuchte auch, meinen Beitrag zu leisten. In 1994 führten wir im Studiengang Wirtschaftsinformatik als Erste in Bayern ein flexibles Prüfungssystem ein, das dann später mit Einführung von Bachelor und Master zum Standard wurde.

Bereits damals war Dein Interesse für das Thema enabling technology, d.h. die Neugestaltung bestehender Geschäftsprozesse durch die Nutzung von IT sehr sichtbar. Kurz nach Einführung des neuen Prüfungssystems hast Du das Projekt FlexNow! gestartet, um die Prüfungsverwaltung weitgehend zu automatisieren. Erst damit war ein aufwands- und termingerechter Betrieb des Prüfungssystems möglich.

Für unsere jüngeren Hörer: Die 1990er Jahre waren die Jahre des Übergangs zum Internet. An meinem Lehrstuhl z.B. installierten wir den ersten Webserver 1993. In den folgenden Jahren wurden dann intensiv neue Anwendungen entwickelt und erprobt. In diese Zeit gehört auch der Beginn von FlexNow!.

Deine Vorliebe für enabling technology führte dann – nach Verfügbarkeit der ersten Data Warehouse Produkte – zu Deinem nächsten größeren Vorhaben, Führungsinformationssysteme für die Hochschulverwaltung zu schaffen. Auch daraus wurde ein
großes und permanentes Projekt, genannt CEUS (Computerbasiertes Entscheidungsunterstützungssystem für die Hochschulen in Bayern), das heute Hochschulleitungen und Ministerien mit Führungsinformationen versorgt.

Beide Projekte zeugen auch von einem Trend in der damaligen Wirtschaftsinformatik, Anwendungssysteme zu bauen, zu erproben, eben unter dem Blickwinkel enabling technology. Vielleicht auch aufgrund der Komplexität heutiger Systeme kommen die Initiativen zur Entwicklung neuer Systeme weniger aus dem Hochschulbereich und mehr aus Systemhäusern und Startups etc. Das ist ein Verlust, der hoffentlich wieder korrigiert wird. Denn die Ideen zu Fintech, Blockchain, Industrie 4.0 und vielen anderen Trends müssen wieder aus den Universitäten kommen. Analyse und Gestaltung müssen wieder eine Einheit werden. Ich erinnere, dass das Silicon Valley ein Spin off kalifornischer Universitäten ist. Nur dort konnten die Gründer die Konzepte, Methoden und den Gründungsgeist mitnehmen, der sie zu diesen Leistungen beflügelte.

Lieber Elmar,

es gibt viele Facetten Deines Schaffens und Deiner Person, die man heute als Alleinstellungsmerkmale bezeichnen würde. Ich denke an Dein Renommee in der Fachcommunity, Deine intensive und permanente Arbeit in der Selbstverwaltung, das Führen eines großen Lehrstuhls und einer noch größeren Einheit für Forschung und Entwicklung, die Mitarbeit in Herausgebergremien und Deine lange Publikationsliste. Du bist sozusagen überall präsent als Vertreter Bambergs. Nicht vergessen möchte ich Deine Funktion als Prüfungsausschussvorsitzender Wirtschaftsinformatik und verwandter Studiengänge. Es waren mehr als 26 Jahre. Generationen von Absolventen kennen Deine Unterschrift auf ihren Zeugnissen.

Ich denke auch an unsere zahlreichen gemeinsamen Projekte, angefangen vom Lehrbuch „Grundlagen der Wirtschaftsinformatik“, das nun in der 7. Auflage vorliegt, über Forschungsprojekte, die ich hier nur per Akronym nenne wie SOM, OEVIS, WEGA, OASYS, FORFLEX.

Das Semantische Objektmodell SOM hat eine Modellierungsschule mit vielen Schülern in Form von Mitarbeitern und Studierenden gegründet. Wer einmal in dieser Weise denkt, kommt nicht mehr davon los.

Wir kennen uns persönlich jetzt seit ca. 40 Jahren und haben uns als Mitarbeiter an einem Lehrstuhl kennengelernt. Es begann in den 1970er Jahren mit Arbeiten zu lokalen Netzwerken, die damals neu waren und zu unseren Veröffentlichungen in der damaligen Zeitschrift Angewandte Informatik, der Vorläuferin der heutigen Wirtschaftsinformatik, führten. Unsere Wege haben sich zwischen durch getrennt und
wieder gebündelt. Es war eine sehr fruchtbare Zeit. Ich darf sagen, dass es diese Fakultät und manche andere Errungenschaft dieser Universität nicht gäbe ohne diese Zusammenarbeit. Ich kann daher den jüngeren Kollegen hier nur zurufen: In der Kooperation liegt die Kraft.

Lieber Elmar,

ich habe Dich als enorm kreativen und fleißigen Kollegen kennengelernt. Ich habe Deine Ruhe, Selbstdisziplin, Integrität auch in schwierigen Situationen, auf die absolut Verlass war, bewundert,. Dabei war Deine Umgebung, beginnend mit einer großen Familie, inner- und außeruniversitären Aktivitäten alles andere als ruhig. Selbst in den beginnenden 1990er Jahren, als hier in Bamberg Aufbauarbeit angesagt war, hast Du an der TU Dresden ausgeholfen, die dortige Wirtschaftsinformatik mit aufzubauen. Allein der damalige Reiseaufwand war immens.

Ich hoffe sehr, dass wir diese Zusammenarbeit fortsetzen können, wenn bei Dir etwas Ruhe einkehrt. Die Umstände dafür sind ja nicht so schlecht. Die Uni Bamberg verliert nun ein tragendes Element. Aber auch tragende Elemente müssen irgendwann etwas ruhiger treten. Dieser Punkt ist nun erreicht.

Du hast bei meiner Abschiedsvorlesung darauf hingewiesen, dass ich versucht habe, den Landeanflug planmäßig hinzukriegen. Ja, das muss gut geplant sein, denn runter kommen sie bekanntlich immer. Es gibt auch harte Landungen. Nur, angesichts Deiner planerischen Sorgfalt, sichtbar am frühen Termin Deiner Abschiedsvorlesung, bin ich sicher, dass Deine Landung punktgenau und weich aufsetzt.

Nun beginnt für Dich der dritte Lebensabschnitt. Entgegen vielen landläufigen Meinungen ist dieser Abschnitt nicht dröge und langweilig, sondern abwechslungsreich und bietet viele Möglichkeiten der eigenen Gestaltung. Just do it. Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft!